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pullmdweb-scrapingclaude-code8. März 2026 · 5 Min. Lesezeit

PullMD Teil 1: Strg+A und der Junk-Kontext – Einfach erklärt

RAW INPUT → PARSE & FILTER → MARKDOWN
Editorial-Diagramm: eine hohe Konsole mit der Aufschrift PARSE & FILTER zwischen einem unruhigen Reddit-artigen Input-Panel links und einem aufgeräumten Markdown-Output-Panel rechts; unten die Parser-Pipeline mit strukturierten Daten.Editorial-Diagramm: eine hohe Konsole mit der Aufschrift PARSE & FILTER zwischen einem unruhigen Reddit-artigen Input-Panel links und einem aufgeräumten Markdown-Output-Panel rechts; unten die Parser-Pipeline mit strukturierten Daten.

Stell dir vor, du liest einen langen Forenbeitrag im Internet. Genau da steht eine Antwort auf eine Frage, die du gerade hast. Du würdest gern einen Chatbot — sagen wir, ChatGPT oder etwas Ähnliches — darüber sprechen lassen.

Also markierst du alles auf der Seite (Strg+A heißt nichts anderes als „markiere alles, was auf der Seite steht“), kopierst es und fügst es in den Chat ein.

Und dann antwortet der Chatbot zwar — aber du hast ihm dafür einen riesigen Haufen Müll mitgeschickt, durch den er sich erst durchwühlen muss. Und diese Markier-Kopier-Einfüg-Prozedur machst du wieder und wieder, besonders am Handy.

Das Problem: ein Drittel Forum, zwei Drittel Müll

Wenn du auf einer Webseite „alles“ markierst, dann markierst du wirklich alles. Den Menüpunkt oben. Den Cookie-Hinweis. Die Werbung in der Seitenleiste. Die Liste „Das könnte dir auch gefallen“. Und irgendwo dazwischen — den eigentlichen Text, den du lesen willst.

Der Chatbot bekommt das alles auf einmal serviert. Er muss sich da durchwühlen wie durch einen Berg Wäsche, bei dem das eine T-Shirt, das du suchst, irgendwo zwischen Socken und Bettwäsche liegt.

Dazu kommt: jeder Chatbot kann sich auf einmal nur eine bestimmte Menge Text merken. Du kannst dir das vorstellen wie einen Schreibtisch mit begrenzter Fläche. Wenn die Hälfte schon mit Werbe-Flyern belegt ist, ist für dein eigentliches Anliegen nur noch wenig Platz — und jeder dieser Flyer kostet Zeit und Rechenarbeit, völlig umsonst.

Das ist keine neue Erkenntnis. Aber es ärgert mich jedes Mal aufs Neue. Und irgendwann war ich das einmal zu oft.

Eine kurze Hoffnung

Cloudflare — eine große Firma, die einen Großteil des Internets im Hintergrund mit am Laufen hält — hat einen Dienst veröffentlicht, der genau dieses Problem zu lösen schien. Du gibst eine Internetadresse ein, und am anderen Ende kommt nur der saubere Text wieder raus. Ohne Menüleiste, ohne Werbung, ohne Cookie-Banner.

Ich habe das sofort ausprobiert. Mit ein paar Artikeln klappte es wunderbar.

Ein paar Tage später kam die Ernüchterung: Es funktioniert nur, wenn die jeweilige Webseite das ausdrücklich erlaubt. Und die meisten Seiten tun das nicht. Foren wie das oben erwähnte schon gar nicht.

Ein Werkzeug, das nur in jedem zehnten Fall funktioniert, ist kein Werkzeug. Das ist ein Pflaster.

Also: selbst bauen

Wenn es nichts Fertiges gibt, das wirklich für mich funktioniert — dann mache ich es eben selbst. Aber klein anfangen. Erst einmal nur für die eine Quelle, die ich am häufigsten verwende.

Bei dem genannten Forum gibt es einen netten Trick: hänge an die Adresse einfach ein bestimmtes Kürzel hinten dran, und schon bekommst du dieselben Inhalte ohne die ganze grafische Drumherum-Verpackung — quasi den nackten Text mit Struktur, ohne Schminke. Dieser Trick ist seit Jahren bekannt und funktioniert verlässlich. Genau das Richtige für einen ersten Schritt.

Und das Ganze sollte später am Smartphone so funktionieren, dass ich in der Forum-App einfach auf „Teilen“ drücken kann — wie wenn man jemandem einen Link in WhatsApp schickt — und der Link direkt in meinem kleinen Werkzeug landet. Ohne Umwege über den Browser.

Der Planungs-Chat

Bevor ich auch nur eine Zeile gebaut habe, wollte ich erst einmal in Ruhe nachdenken — gemeinsam mit Claude, dem KI-Modell, mit dem ich oft Dinge durchspreche, bevor ich loslege.

Mein erster Satz im Chat hatte einen Tippfehler. Die Autokorrektur meines Handys hatte „Reddit“ zu „Tresor“ gemacht. Ich fragte also nach einem Tool für „Tresor Posts“. Die Antwort kam sofort:

Gute Idee, lass uns das durchdenken! Ich nehme an, „Tresor“ war Autokorrektur und du meinst Reddit Posts – richtig?

Das hat mich kurz schmunzeln lassen — und gleichzeitig genau das Gefühl bestätigt, weswegen ich mit dem Modell überhaupt rede. Es versteht im richtigen Zusammenhang, was gemeint ist. Genau diesen Zusammenhang wollte ich für meinen eigenen Anwendungsfall qualitativ besser machen.

Wir haben die Sache in zwei Teile zerlegt: einen unsichtbaren Motor, der für jeden Zweck funktioniert (egal ob ich per Tastatur arbeite, per automatisiertem Ablauf, oder per Knopfdruck am Handy). Und eine sehr kleine, sehr einfache Webseite obendrauf, die nur dann nötig ist, wenn ich am Handy bin.

Beide sprechen mit demselben Motor. Beide bekommen am Ende sauberen Text raus.

Eine kleine Format-Entscheidung

Eine Sache, die unscheinbar klingt, aber tatsächlich wichtig ist: Wenn man in einem Forum auf einen Kommentar antwortet, und auf diese Antwort antwortet wieder jemand, und so weiter — wird daraus eine verschachtelte Gesprächs-Struktur. Wie ein Baum.

In sauberem Text kann man so etwas auf zwei Arten darstellen. Entweder mit immer länger werdenden Pfeil-Ketten (>, >>, >>>) — was ab der vierten Ebene unlesbar wird. Oder mit Einrückung: jede Antwort rückt ein Stück nach rechts.

Claude hat sofort die Einrückung vorgeschlagen. Genau die richtige Wahl. Verschachtelte Diskussionen bleiben so für einen Chatbot deutlich besser lesbar — und damit auch deutlich besser verarbeitbar.

Der Codename und die Adresse

Irgendwann in dem Chat brauchte das Projekt einen Namen. Etwas Kurzes, mit dem es sich arbeitet. Claude hat einen Codenamen vorgeschlagen, mit dem ich die nächsten Wochen gebaut habe. Aus rechtlichen Gründen wurde er später durch einen anderen Namen ersetzt — aber dazu kommt noch ein eigener Teil.

Und ich brauchte eine Internetadresse, unter der das Tool später erreichbar sein sollte. Da gibt es bei mir ein internes Schema, und Claude durfte einfach einen passenden Namen vorschlagen.

Am Ende stand ein Bauplan — kein Code

Nach dem Chat hatte ich alles, was ich brauchte: eine Liste der Dateien, die das Tool haben würde. Eine Beschreibung, wie es nach außen funktioniert. Was passieren soll, wenn der erste Weg nicht klappt (dann probier den zweiten). Wie das Format am Ende aussehen soll.

Kein einziges Zeichen Code — und genau das war der Plan. Der Konzept-Chat sollte denken, nicht bauen. Das eigentliche Bauen sollte am selben Abend ein anderes Werkzeug übernehmen.

Um 21:53 Uhr ging es dann los.


Teil 1 von 9 der PullMD Serie.

PullMD Teil 2: Vom Spec zum laufenden Container